I
Laut stürmt der Schall der Glocken durch die Nacht, Und Schüsse dröhnen
von des Berges Wacht; In allen Gassen tönt's: es brennt! es brennt! Und
jeder angstvoll an sein Fenster rennt.
Der erste Blick: ist es in unserm Haus? Der zweite mindert schon den
Schreck und Graus, Wenn weit, o weit die «furchtbar schöne»
Glut Behaglich dort am fernen Himmel ruht.
Nun strömt der Neugier Bächlein ungehemmt, Und ungewaschen wohl und
ungekämmt, Der ohne Strümpfe, jener ohne Schuh', Läuft alles dem
willkomm'nen Schauspiel zu.
Und manchem ehrlichen Philister bangt, Es könnte enden, eh' er
angelangt; Auch der Poet, er watschelt mit hinaus Und sendet seinen
Kennerblick voraus.
Da wallt vom Berg mit ungebrochnem Lauf Die rote Lohe hell zum Himmel
auf; Von Feuerlilien ein gewalt'ger Strauß, So blüht und glüht das große
Bauernhaus.
Es ist die allerschönste Maiennacht, Von Gold durchwirkt, tiefblau der
Himmel lacht; Eng zwischen Gärten ganz im Frühlingsflor Zu Feuers
Hofstatt führt der Weg empor.
Da sitzt der helle Geist auf seinem Raub Und macht den morschen Kram zu
Asch' und Staub; Umsonst belästigt ihn der Menschenschwarm, Er wehrt ihn
ruhig ab mit glüh'ndem Arm.
Es brennt der Hof dem reichen Bauersmann, Der nie genug seh'n und
erraffen kann; Längst hat der Sohn ein neues Haus begehrt, Wogegen sich
der Alte stets gewehrt.
Nun steht er da und schlottert jämmerlich, Weiß nicht zu raten noch zu
helfen sich; Doch alle sind in guter Sicherheit, Kein Nachbarhaus
gefährdet weit und breit.
Drum laß uns keck ein wenig näher geh'n, Die heiße Wirtschaft besser zu
beseh'n, Zu lesen in des Feuers Angesicht Und was es heimlich mit den
Sternen spricht!
II
Von Holz und Reisig eine hohe Wand Seit langen Jahren um die Scheune
stand; Schon vieles macht' Verwitt'rung unbrauchbar, Doch jeder Herbst
bringt neue Lasten dar.
Der letzte Winter brachte große Not, Und manche arme Wittwe frierend
bot Ihr armes Geld dem Mann für wenig Holz, Er gab's nicht her in seinem
Bauernstolz.
Nun flammt es auf in wildem Funkenflug Mit Scheun' und Stall, Pferd,
Wagen, Vieh und Pflug; Die armen Weiber steh'n und schau'n es an Und
wärmen lächelnd ihre Hände dran.
Dies Lächeln mag die bleichste Blume sein, Die zieren wird des Mannes
Totenschrein. – Weh' dem, der solchen Blütenflor gesät, Wenn einst die
Saat in reifen Früchten steht!
III
Von alter Zeit her war des Hauses Wand Von wuchernd dichtem Epheu
überspannt; Den liebt' der Bauer, sonst so liebeleer, Weil er so gierig,
alt und zäh, wie Er!
Nun brennt das dunkle Unkraut lichterloh Und flackert in der Luft wie
leichtes Stroh; Wer glaubte, daß der alte, schwere Kranz So lustig
hielte seinen Totentanz?
Oho, was fliegt für Ungeziefer aus? In ganzen Schwärmen flieht die
Fledermaus! Kreuzspinnen, Käfer, was da kriechen mag, Erlebt im Feuer
seinen jüngsten Tag.
Was von Gespenstern und von Koboldsbrut, Von alten Sünden auf dem Hause
ruht, Und was es sonst für Spuk und Sagen gab, Brennt mit den dicken
Epheuranken ab.
Was mag wohl schimmern dort, und, seh' ich recht? Was löst sich aus dem
brennenden Geflecht Und poltert da zu meinen Füßen her? Ein tüchtig
Kruzifix von Silber schwer!
Einst riß der Ahn, es sind dreihundert Jahr', Das Bild als Bilderstürmer
vom Altar; Es blieb im grünen Rankenwerk versteckt, Nun endlich hat's
das Feuer aufgedeckt.
Zwar munkelt man, daß in verschloss'ner Brust Die Enkel jederzeit davon
gewußt: Sie hätten's nächtlich auf den Tisch gesetzt Und sich an dem
Geflunker oft ergötzt.
Eins thut mir leid: manch' zierlich Schwalbennest Hing traulich in den
wirren Ranken fest; Wenn nun die liebe Schwalbe wiederkehrt, So findet
sie ihr kleines Haus verheert.
Doch tröste dich, o Vöglein altvertraut, Ist erst der neue Giebel
aufgebaut, G'nug Winkel noch und Ecken findest du, Daran du bauen kannst
in guter Ruh!
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