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Feuer-Idylle

Description:  Poem by Gottfried Keller
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ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Feuer-Idylle


I

Laut stürmt der Schall der Glocken durch die Nacht,
Und Schüsse dröhnen von des Berges Wacht;
In allen Gassen tönt's: es brennt! es brennt!
Und jeder angstvoll an sein Fenster rennt.

Der erste Blick: ist es in unserm Haus?
Der zweite mindert schon den Schreck und Graus,
Wenn weit, o weit die «furchtbar schöne» Glut
Behaglich dort am fernen Himmel ruht.

Nun strömt der Neugier Bächlein ungehemmt,
Und ungewaschen wohl und ungekämmt,
Der ohne Strümpfe, jener ohne Schuh',
Läuft alles dem willkomm'nen Schauspiel zu.

Und manchem ehrlichen Philister bangt,
Es könnte enden, eh' er angelangt;
Auch der Poet, er watschelt mit hinaus
Und sendet seinen Kennerblick voraus.

Da wallt vom Berg mit ungebrochnem Lauf
Die rote Lohe hell zum Himmel auf;
Von Feuerlilien ein gewalt'ger Strauß,
So blüht und glüht das große Bauernhaus.

Es ist die allerschönste Maiennacht,
Von Gold durchwirkt, tiefblau der Himmel lacht;
Eng zwischen Gärten ganz im Frühlingsflor
Zu Feuers Hofstatt führt der Weg empor.

Da sitzt der helle Geist auf seinem Raub
Und macht den morschen Kram zu Asch' und Staub;
Umsonst belästigt ihn der Menschenschwarm,
Er wehrt ihn ruhig ab mit glüh'ndem Arm.

Es brennt der Hof dem reichen Bauersmann,
Der nie genug seh'n und erraffen kann;
Längst hat der Sohn ein neues Haus begehrt,
Wogegen sich der Alte stets gewehrt.

Nun steht er da und schlottert jämmerlich,
Weiß nicht zu raten noch zu helfen sich;
Doch alle sind in guter Sicherheit,
Kein Nachbarhaus gefährdet weit und breit.

Drum laß uns keck ein wenig näher geh'n,
Die heiße Wirtschaft besser zu beseh'n,
Zu lesen in des Feuers Angesicht
Und was es heimlich mit den Sternen spricht!

 

II

Von Holz und Reisig eine hohe Wand
Seit langen Jahren um die Scheune stand;
Schon vieles macht' Verwitt'rung unbrauchbar,
Doch jeder Herbst bringt neue Lasten dar.

Der letzte Winter brachte große Not,
Und manche arme Wittwe frierend bot
Ihr armes Geld dem Mann für wenig Holz,
Er gab's nicht her in seinem Bauernstolz.

Nun flammt es auf in wildem Funkenflug
Mit Scheun' und Stall, Pferd, Wagen, Vieh und Pflug;
Die armen Weiber steh'n und schau'n es an
Und wärmen lächelnd ihre Hände dran.

Dies Lächeln mag die bleichste Blume sein,
Die zieren wird des Mannes Totenschrein. –
Weh' dem, der solchen Blütenflor gesät,
Wenn einst die Saat in reifen Früchten steht!

 

III

Von alter Zeit her war des Hauses Wand
Von wuchernd dichtem Epheu überspannt;
Den liebt' der Bauer, sonst so liebeleer,
Weil er so gierig, alt und zäh, wie Er!

Nun brennt das dunkle Unkraut lichterloh
Und flackert in der Luft wie leichtes Stroh;
Wer glaubte, daß der alte, schwere Kranz
So lustig hielte seinen Totentanz?

Oho, was fliegt für Ungeziefer aus?
In ganzen Schwärmen flieht die Fledermaus!
Kreuzspinnen, Käfer, was da kriechen mag,
Erlebt im Feuer seinen jüngsten Tag.

Was von Gespenstern und von Koboldsbrut,
Von alten Sünden auf dem Hause ruht,
Und was es sonst für Spuk und Sagen gab,
Brennt mit den dicken Epheuranken ab.

Was mag wohl schimmern dort, und, seh' ich recht?
Was löst sich aus dem brennenden Geflecht
Und poltert da zu meinen Füßen her?
Ein tüchtig Kruzifix von Silber schwer!

Einst riß der Ahn, es sind dreihundert Jahr',
Das Bild als Bilderstürmer vom Altar;
Es blieb im grünen Rankenwerk versteckt,
Nun endlich hat's das Feuer aufgedeckt.

Zwar munkelt man, daß in verschloss'ner Brust
Die Enkel jederzeit davon gewußt:
Sie hätten's nächtlich auf den Tisch gesetzt
Und sich an dem Geflunker oft ergötzt.

Eins thut mir leid: manch' zierlich Schwalbennest
Hing traulich in den wirren Ranken fest;
Wenn nun die liebe Schwalbe wiederkehrt,
So findet sie ihr kleines Haus verheert.

Doch tröste dich, o Vöglein altvertraut,
Ist erst der neue Giebel aufgebaut,
G'nug Winkel noch und Ecken findest du,
Daran du bauen kannst in guter Ruh!

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... Rechtsstand: 1. August 2012
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrecht, mit …
Strafgesetzbuch StGB: mit Einführungsgesetz, …
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, …
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