IV
Da ist ein Buch, geschwärzt und halb verbrannt, Wonach der Mann in
Todesangst gesandt; Ein Jüngling wagte dran sein junges Blut Und trug's
mit kecken Händen aus der Glut.
Und gierig stürzt der Mann sich auf das Buch Und – wirft es weg mit
einem derben Fluch; Sein dickes Schuldnerbuch hat er gemeint, Nun liegt
die Bibel vor dem guten Freund!
Wie arg und undankbar ist diese Welt! Wie schmählich nun der alte Mann
sich stellt! Erinnert ihn die Bibel nicht mehr dran, Wie gütlich er sich
oft an ihr gethan?
Wenn er am Sonntagabend vor ihr saß Und schmunzelnd dann von dem Kamele
las, Dem Nadelöhre und dem Himmelreich, Wie ward ihm das Gemüt da froh
und weich!
Wie manchen Bettler, hungerig und matt, Macht' er mit schönen
Bibelsprüchen satt, Beteuernd hoch und feierlich dabei Daß dies das
wahre Brot des Lebens sei!
Nun liegt das alte Buch zertreten hier, Im Feuer blieb der Spangen
Silberzier, Zerriss'nen Angesichtes liegt im Kot Das einst so
hochgepries'ne Lebensbrot.
V
Und Einer kommt und raunt mit trübem Mut, Wie rettungslos ein
königliches Blut, Indes das Haus in Rauch und Schutt verfliegt, Tief
unter ihm in schnöden Banden liegt.
Goldfarbner Löwe, seufzt der edle Wein, Seit Jahr und Tag im dunklen
Eichenschrein, Und ob ihm trampelte der geiz'ge Wicht, Ließ keinen
Tropfen an das Tageslicht.
Wenn still der Sonnenschein das Haus umfing Und singend ein Gesell
vorüberging, Ein fröhlich Dürstender mit warmem Blut, Dann wallt' es
unten auf mit süßer Wut:
O laßt mich an des Tages heitern Blick, Ich bring' euch Freiheit,
Freude, Lieb' und Glück! Laßt schäumend mich entgegensprühn dem
Lied, Das aus der frohen Menschenkehle zieht!
Umsonst verhieß er reichen Minnelohn, Gefesselt blieb der goldne
Sonnensohn; Nicht wahr, ihr Alle, die ihr Herrscher heißt, Es ruht sich
wohl auf unterdrücktem Geist?
Nun wankt und stürzt das morsche Sündenhaus, Doch unter seinen Trümmern
atmet aus, Vergessen, was so lang das Licht gesucht. – Heil unsrer
jungen Reben süßer Frucht!
VI
Ein Apfelbaum in voller Blüte steht, Ein leichter West in seinen Zweigen
weht; Er schaut, verklärt vom blendend roten Schein, Verwundert in den
wilden Brand hinein.
Es ist, als ob der helle Glanz ihn freut', Weil Blütenblätter in die
Glut er streut; Er atmet ein des Feuers heißen Hauch, Durch seine Krone
zieht der schwarze Rauch.
Da plötzlich langt herüber aus dem Brand In seine Aeste tief die
Flammenhand, Zu Kohlen brennt der schöne Blütenbaum – Hin ist ein
dichterlicher Lebenstraum!
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