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Feuer-Idylle

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VII

Dort gegen Westen, traulich unterm Dach
Liegt froh und abgeschieden das Gemach,
Das sich des Hauses Töchter jederzeit
Zu ihrem Allerheiligsten geweiht.

Es ist ein eng und niedrig Kämmerlein
Mit runden Scheiben und uraltem Schrein,
Drin Putz und Mädchenkleinod aller Art,
In buntbemaltem Schachtelwerk verwahrt.

Am Fenster steht das Spinnrad und davor
Auf einem Brett der lang gehegte Flor,
Levkojen, Nelken, Rosen ohne End',
Und wie man all das lose Zeug benennt.

Manch nächtlich Lied hat hier hinaufgetönt
Und jene Fensterchen sind dran gewöhnt,
Geräuschlos blinkend, heimlich aufzugeh'n,
Geöffnet halbe Nächte durch zu steh'n.

Und manche Leiter wurde aufgetürmt,
Die stille Liebeswarte kühn gestürmt;
Ob stets das Rosengitter widerstand,
Gehört zu den Geheimnissen im Land.

Auch jetzt ist eine Leiter angelegt,
Die einen Schwarm berußter Männer trägt;
Im roten Mantel stürmet in die Thür
Ein Freiersmann mit flammendem Panier.

Und vor ihm fährt ein Knäuel, wirr und kraus
Erschreckter Liebesgötter fliehend aus;
Das flattert irrend in der Frühlingsluft,
Auch riecht es, wie verbrannten Ambers Duft.

Das ganze Fenstergärtlein stürzt herab
Und find't in einer Höllenglut sein Grab;
So ging's den Gärten der Semiramis
Und ging es noch mit jedem Paradies.

 

VIII

Welch' lieblich Wunder nimmt mein Auge wahr?
Dort fließt ein Brünnlein, gar so frisch und klar,
Ein holzgeschnitzter Meergott gießt den Trank
In eine ausgehöhlte Eichenbank!

Der Westwind hat die Glut herangeweht,
Der alte Gott in vollen Flammen steht,
Und aus der Feuersäule quillt der Schwall,
Des Wasserstrahls lebendiger Krystall!

Wie fröhlich tönt der schöne Silberstrang,
Gleich jenem Kleeblatt, das im Feuer sang!
Du klares Leben, ew'ger Wellenschlag,
Was sendet aus der Tiefe dich zu Tag?

Ich glaubt', ein Brunnenhaus sei feuerfest,
Nun ist ein Häuflein Kohlen hier der Rest!
Die Quelle aber rieselt frisch und rein
Auch über Kohlen in die Welt hinein.

Wer weiß, wie lange schon der Bergquell springt?
Wer weiß, wie lang er noch zum Lichte dringt?
Auf, schnitzelt einen neuen Brunnenmann,
Der wieder hundert Jahr ihn fassen kann!

 

IX

Zu loben ist der Männer kühner Mut,
Womit sie ringen aus der Feuersglut
Zu retten, was man irgend retten kann,
Doch ist nicht redenswert, was man gewann.

Das Beste ist ein alter Totenkranz,
Erinnerung an froher Jugend Glanz,
An den, wie ein verstummter Harfenton,
In voller Hoffnung früh verblichnen Sohn.

Mit welken Blättern liegt er in der Au,
Und auf ihn fällt der kühle Maientau;
Die blassen Bänder wehn im Morgenwind,
Daneben fröstelnd wacht ein schwaches Kind.

Wie leicht und dürr der alte Kranz mag sein,
Man wird ihm wieder eine Stelle weihn
Im neuen Bau, hoch an der Stubenwand,
Als des Vergang'nen letztem leichten Pfand.

Da wird er still aufs junge Leben seh'n
Und dieses ehrend ihm vorübergeh'n,
Bis, was einst grün war, endlich ganz zerstiebt
Und man den nackten Reif dem Feuer gibt.

 

X

Die Flamm' ist tot, der Krater ist verglüht,
Die Himmelsrose drüber aufgeblüht;
Sie glänzt auf Asche, wo die Wohnung stand,
Verschwunden ist das morsche Werk der Hand.

Woran der Mensch ruhlos die Hände legt,
Und was er diebisch scheu zusammen trägt:
Hin ist nun alles, was nach Richt' und Maß
Gefügt, gebunden auf einander saß.

Doch ihr erglänzet mir unwandelbar,
Ihr Morgenlande, wonniglich und klar!
Ihr Berg' und Thäler rings im Knospendrang,
Voll Quellenrauschen und voll Vogelsang!

O Ueberfülle, die zum Lichte schwillt,
O Blütenwirbel, der da überquillt
Und überwuchert, wo die tote Hand
Mit ihrer Spanne mißt das reiche Land.

Das ist die Nachhut, die den Rücken deckt;
Drum auf zum Werke, Menschheit, unerschreckt!
Bau' auf, reiß nieder und bau' wieder auf:
Das Jahr geht immer seinen Segenslauf!

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
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