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Berthold Auerbach an Gottfried Keller - 02.09.1860Endlich, lieber Keller, kann ich Ihnen Alles fertig schicken. Hier also Ihr Honorar mit 150 Thlrn u. Ihr Manuskript wieder, damit Sie bei einer künftigen besondern Ausgabe Ihrer Erzählung das Weggelassene haben. Sie werden sehen, daß ich nur einzelne Reden ausgelassen habe, obgleich sie nicht nur charakteristisch sondern auch schön sind. Sie werden aber auch sehen, daß ich Alles mit der äußersten Sorgfalt behandelt habe. Ich wiederhole Ihnen, daß mich seit lange nichts so erfreute, wie Ihre Erzählung. Ich hatte mir bei der Revision mancherlei angemerkt d. h. in Gedanken behalten wollen, was ich Ihnen über die Art Ihres Schaffens sagen wollte, im vielfachen Hin u. Her der äußern u. innern Lebensbewegung ist es mir aber entschwunden u. im Ganzen können Sie sich ruhig gewähren lassen in der ganzen Art Ihrer Composition u. Gestaltung. Sie werden die Kleinigkeit bemerken, daß ich Ihnen viele Ausrufungszeichen in einfaches Punktum verwandelt habe. Ich weiß recht gut, was Sie damit wollten. Wir haben das Bedürfniß, die Betonung der Rede, die sehr wesentlich ist, im geschriebenen Worte kundzugeben, aber wir erreichens doch nicht. Es ist einer der intimsten poetischen Vorzüge Shakespeare’s, daß er nie zu sagen hat, das wird so u. so gesprochen wie Schiller so oft thun muß, Shakespeare weiß das wie alle Gestikulation in die Rede selbst zu legen. In der Erzählung ist das freilich wol nie zu erreichen u. doch erscheint es mir auch hier immer störend, wenn ich Tonlage, Gestikulation u. Rhythmus des Athems angeben soll. Da bleibt eine Unzulänglichkeit, die nicht zu überwinden ist Ich will Ihnen nur noch sagen, daß ich Sie fortan als ständigen Jährling des Kalenders betrachte. Sie müssen so fest u. sicher wiederkehren wie – ja, wie irgend ein Monat, den Sie sich beliebig als Symbol auswählen mögen. Legen Sie sich also nur recht bald eine Geschichte im Kopfe zurecht für das aberkünftige Jahr. Ich werde fortan, obschon es mir sehr zuwider ist, doch der verteufelten Manier nachgeben müssen – da die Buchhandlungen das durchaus wünschen – den Kal. schon im Juli erscheinen zu lassen. Ich freue mich schon im Voraus darauf, was das einmal ein braves Buch sein wird, wenn Sie Ihre Kalender-Erzählungen zusammen stellen u – ich bin Gevatter dabei gewesen. Lassen Sie mich also bald den Empfang dieses wissen u. theilen Sie mir auch sonst über Ihr Leben u. Schaffen mit. Meine größere Erzählung kommt vom 1 Oct. an in der Kölnischen Zeitung. Es ist zum Erstenmal, daß ich etwas so zertheilt erscheinen lasse, ich hatte es aber seit Jahren DuMont versprochen. Auch hat man dann wenn die Erzählung als Buch erscheinen soll noch eine vorherige freie Uebersicht. Haben Sie die Güte anl. Brief Herrn Gustav Simon (Bruder Heinrich Simons oder dessen Familie) zu übergeben. Mit herzlichem Gruße Ihr Von Anfangs October an lebe ich in Berlin. Schreiben Sie mir aber noch hierher. |
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