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Berthold Auerbach an Gottfried Keller - 02.11.1865 Berlin, Wilhelmsstraße 86 Vorgestern bin ich erst nach vielen Zickzackfahrten hier in meinem Heim angekommen. Ich schreibe nun Dir, lieber Keller, alsbald, der heißen schwerblütigen Tage gedenkend, die ich mit Dir verlebte aber auch der Erfrischung die aus unserm erneuerten Anschlusse noch in der Erinnerung mich erquickt. Kannst Dir denken, wie viel zu Erledigendes hier auf mich wartet. Ich fühle mich aber zu neuer Arbeit gestärkt u. hoffe, daß auch Du nun so viel Vorbereitetes nun stetig u. allmalig abschließest. Ich schicke Dir nun hiebei 1. Die mir geliehenen 50 Franken (13 Thlr 10 Sgr.). Dazu Deine Auslagen mit 10 Franken = 2 Thlr. 20 Habe ich Dir schon mitgetheilt, daß ich die Brieftasche ohne das Geld wieder erhalten habe? (Ich habe auf der Reise so viel erlebt, daß ich nicht mehr weiß, ob ich Dir geschrieben habe oder nicht.) 2. Dein Honorar für den Kalender-Beitrag. (33 Thlr) Also Ich habe nun die dringende Bitte an Dich, entweder den Plan, von dem Du mir sprachst oder eine Deiner unfertig liegenden Erzählungen sofort für den Kalender zu arbeiten. Glaube mir, lieber Keller, oder Du weißt das ja auch selbst, giebt man sich einen tüchtigen Ruck u. gewährt sich nicht ein Abwarten besserer Zeit u. Stimmung, sondern sagt sich: Heut ist Trumpf dann gehts. Anfangs freilich widerhaarig u. hart aber allmälig tanzt man doch mit Lust weil eben jetzt die Musikanten aufspielen. Der Kalender ist wie es dießmal geworden, sehr mangelhaft, wir Alle hätten Besseres geben sollen. Das verpflichtet nun doppelt zu frischer Belebung. Ich will das Beste was möglich ist, aus dem Kalender machen u. dazu kannst u. mußt Du helfen. Ich bitte Dich also, sei frisch zur Hand Richte es so ein, daß Du mir Deine Erzählung zum 15. December spätestens 1. Jan. schicken kannst. Thumann, der vortreffliche Illustrator muß im Frühling verreisen u. es soll überhaupt Alles bei rechter Zeit vorbereitet werden, damit nicht nothdürftig Zusammengerafftes gegeben werden muß. Schreib mir alsbald (unter Empfangsanzeige des Anliegenden) Du weißt ja, was sich für den Kalender eignet u. ich gebe Dir gerne zwei Bogen Raum, nöthigenfalls mehr. Laß Dich also ganz frei gehen. Grüße herzlich u. sag ihm, daß ich auch fest auf seinen versprochenen Beitrag zähle. Es wäre mir lieb wenn er mir (behufs vielleicht nöthiger Illust<r>ation) bald das Thema u. Näheres mittheilte. Getreulich Dein Ich erhalte so eben deinen Brief vom 31. mit den Belegen. Zum Nießen sage ich zur Gesundheit. Schick künftig Deine Manuskripte so, daß Du selbst Correctur machen kannst. Die Geschichte wird nicht altbacken, wenn sie früher gesetzt ist. |
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