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Heyse an Keller - 13.12.1876

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Paul Heyse an Gottfried Keller - 13.12.1876


München. 13. Dec. 76.

Wenn Sie mir’s nur in diesem Leben verzeihen, lieber Freund, was ich nolens nolenti Ihnen – im eigentlichsten Sinne – auf den Hals gezogen habe, so will ich mit dem Jenseits schon fertig werden. Übrigens warten Sie nur, bis Sie das Kleinod mit Augen gesehen und unter irgend einem weiblichen Beistand „anprobirt“ haben. Sie werden sich wundern, wie gut es Ihnen zu Gesicht steht. Das erste u. letzte Mal daß ich mich, nur um meinen alten Freund Liebig nicht ernstlich böse zu machen, dazu bewegen ließ, den Kopf durch diese Schlinge zu stecken, machte ich auf meine Frau einen solchen Effect, daß ich in der That unsre schnöde Cravatten-Mode beklagte, die uns nicht erlaubt, dergleichen im Laden zu kaufen und uns bei hohen Gelegenheiten wie die Biedermänner im 16. u. 17ten Jahrhundert einmal schön zu machen.

Nun habe ich mich heut erst genau erkundigen können, wie Ihnen am wenigsten Unbequemlichkeiten mit den Formalitäten erwachsen könnten. Ich musste damals einen Schreibebrief an seine Majestät, mit welcher ich über den Geibel’schen Fuß gespannt war, verfassen und zog mich möglichst ungeschickt aus der Affaire, da ich viel zu weitläufig und aufgeknöpft mich äußerte. Wie mir aber der Secretär des Ordens, Staatsrath Daxenberger (als Carl Fernau unser College à la mode de Bretagne), heut Nachmittag an einem feierlichen Ort vertraute – wir hatten eben einem alten Schauspieler die letzte Ehre erwiesen –, brauchen Sie nur an den bayrischen Gesandten in Bern, der Ihnen das corpus meines delicti und das Brevet zustellen wird, den Empfang zu melden und ihn zu ersuchen, Sr. Majestät Ihren ehrfurchtsvollen Dank in Ihrem Namen zu wissen zu thun, worauf Ihr Gewissen sich auf die andere Seite legen und ruhig weiter schnarchen mag.

Stehen Sie mit dem Dichter des Georg Jenatsch in mündlichem oder brieflichem Verkehr, so erweisen Sie mir einen großen Gefallen, wenn Sie nun auch mir einen Dank abnehmen. Das Buch hat mich aufs Tiefste ergriffen, die prächtigen Figuren, der herbe Erzklang des Stils, die wundersame Scenerie. (Der Schluß allein, der Vollzug der Rache nach alle dem, was inzwischen vorgegangen, trübte mir den Genuß.) Dergleichen sagt sich so bequem hinterm Rücken und sieht pedantisch oder gespreizt aus, wenn man es in einem eigenen Brief zu Protokoll geben soll. Auch in der neuesten „Dichterhalle“ schwimmt ein Meyersches Gedicht als Fettauge auf der salzlosen Wassersuppe.

Und wie bin ich nach Ihrer Minnesangnovelle No II lüstern worden durch No I, und gerade dies Heft ist lange heraus und mir noch nicht zugekommen. Ich werde Freund Rodenberg dieser Tage mahnen.

Freundlichste Grüße von meinen Frauenzimmern und dem Bübchen, das einen Abscheu gegen das Abece zu erkennen giebt, der zu schönen Hoffnungen berechtigt. Wir sind leidlich wohl und denken Ihrer getreulich.

Ihr alter
P. H.

  
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