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Exner an Keller - 14.10.1875

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Adolf Exner an Gottfried Keller - 14.10.1875


Gödöllö in Mittel
Asien 14 Okt. 75.

Lieber Freund,

Ihren Brief erhielt ich wie Sie richtig vermutheten, im Schloß Matzen in Tirol, wo ich mit meinen 3 Brüdern (die Schwester war zu dieser Zeit nicht transportabel) 14 Tage lang die freie Luft genoß. Denn vorher u nachher hat mich das Joch des Hofdienstes gedrückt; u auch heute ist es ein Tyrannenhauslehrer, der Ihnen schreibt, ein unterthäniges Anhängsel des Hofes, der sich der Hofjagden halber hier auf der Pußta aufhält u nebenbei der Wissenschaft auch nicht ganz entbehren will.

Sie können sich denken wie ich erschrack, als ich von Tirol heim kehrend, hierher berufen wurde, ich muß meine Vorlesungen bis Mitte November aussetzen (zu welcher Zeit mein Hofdienst gänzlich zu Ende geht) u mittlerweile hier den maggarischen Herrgott kennen lernen.

Ganz uninteressant ist übrigens die Sache nicht, zumal sie nur 4 Wochen dauert; ich kann manches sehen u beobachten, was sonst nicht leicht unterkommt. –

Sehr gefreut hat mich zu hören daß Sie 1) so fleißig drauflos arbeiten, u 2) künftiges Jahr wieder mit uns irgendwo in die Welt hineinfaullenzen wollen. Bin sehr begierig auf die angedeuteten Zürcher Geschichten; die 7 Aufrechten habe ich kürzlich (nach langem Suchen in allen Antiquariaten) mir verschafft, u bin immer noch sehr vergnügt wenn ich die krausen Kerls lese, u glaube auch immer noch, daß wenn der junge Held am Ende anfängt zu sprechen wie ein Buch, er es sehr kurz machen sollte. Ich habe schon eine kleine Gesellschaft im Geist zusammengetrommelt, denen ich die (hier ganz unbekannte) Geschichte vorlesen will. Es sind lauter besondere Verehrer von Ihnen u auch sonst rare Leute, – da wollen wir einen vergnügten Abend haben, wie es jedesmal war, wenn was Neues von Ihnen losging. Aber wenn die Sachen einmal im Handel sind, kann man nicht gut mehr zusammenkommen, um gemeinschaftlich zu lesen, da liest Jeder für sich, u man hat nicht den rechten Spaß davon. Darum eben bitte ich Sie neuerdings recht schön, mir ja gewiß ein Korrekturexemplar zuvor zu schicken – so schmierig als es will – zum Vorlesen. Sie werden nicht denken, daß es ist um mich damit patzig zu machen, daß ich die Sachen früher habe; es ist wirklich nur für ein paar Freunde, u um den Spaß des Lesens u Kritisirens zu haben.

Auch ich war den Sommer recht fleißig, habe namentlich in Ischl den ganzen August wie ein Ochs gedroschen u kann nun im Winter ein neues Opus von Stapel lassen, dessen Inhalt leider zu einer gemüthlichen Lektüre minder geeignet sein dürfte.

Geringere Mühe hat es mir gemacht doppelter Onkel zu werden, und verhältnißmäßig viel Vergnügen. Der Marie ihr Bub (Hans genannt) gedeiht besonders u wird in der Nachbarschaft u Freundschaft für ein Meerwunder von Schönheit, Talent u guten Sitten gehalten. Sie müssen nothwendig nächsten Sommer in dieses Lob einstimmen, sonst werden Sie unhaltbar.

Zur Vermehrung Ihrer Wiener Frauengallerie schließe ich das Portrait einer ungarischen Gräfin bei, die ich in ihrer vormaligen Eigenschaft als simple Wiener Bürgerstochter gut gekannt habe; ihr Vater ist ein Hauptkunstkenner u Besitzer unzähliger Schätze (ungerechnet die 2 Töchter), um die man ihn nicht genug beneiden kann. Vielleicht fällt Ihnen bei dem Gesicht für Ihre 6 Züricherinnen (fürwahr ein starkes Unternehmen!) was Gutes ein.

x x x

Diese Sterne bedeuten, daß ich inzwischen 2 Stunden Karten gespielt u dabei unbändig viel Wassser gesoffen habe. Ersteres geschah mit einem Pfaffen, der k. k. Domherr u Beichtvater des Kaisers, der Kaiserin u. s. w. ist, zudem auch ein höchst fideles Haus voll guter Späße. Er wohnt neben mir, und macht mich täglich mehrere Male krumm vor Lachen. Der andere ist Generalstabs Oberst u lehrt dem Kronprinzen die Kniffe, die man braucht, um die Schweiz zu annexiren. Wir drei wohnen zusammen in einem besonderen Haus gegenüber dem Kaiserschloß, welches zwar nur ebenerdig ist, aber sich von den übrigen Strohdächern des Orts durch ein Ziegeldach auszeichnet u im Volksmund „die Universität<“> heißt.

Jetzt aber gute Nacht, – Sie haben wohl morgen wieder Kneiptag, – trinken Sie auch ein Gläschen, aber guten, auf mich armen geplagten Kultur nach Osten-Träger. Schreiben Sie auch einmal wieder.

Mit bestem Gruß
Ihr AExner

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... Rechtsstand: 1. August 2012
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