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L. Duncker an Keller - 15.11.1881

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Lina Duncker an Gottfried Keller - 15.11.1881


B. 15 November 1882.

Lieber Herr Keller!

Nehmen Sie gleich meinen erfreuten Dank für das mir zugewendete mir längst liebgewordene Sinngedicht. – Wenn ich häufig durch Ihre Dichtungen versucht wurde Sie zu begrüßen, so verschafft mir doch das Sinngedicht erst das Recht dafür und giebt mir einen Funken von Vertrauen, dß Sie mich nicht ganz vergessen haben. Sie steigen in immer höhere Regionen des Ruhmes und der Ehren während ich mich immer tiefer in die Stille und den Schatten gestellt fühle, da wärs ja ein Wunder wenn Ihre Erinnerung an eine gemeinsam genossene, reichere, eine sonnige und übermüthige Jugendzeit, eben so frisch empfunden würde, als sie stets von mir empfunden wird. Im Moment reiche ich Ihnen, fröhlich, herzlich berührt die Hand und denke nicht an den weltbekannten Dichter blos, sondern an den alten guten Bekannten der mich mit seinem jüngsten Kind an der Hand aufgesucht.

Jetzt haben wir’s gut; Dr. Frey erzählt uns häufig von Ihnen und Ihrem Dioskuren Ferdinand Meyer, und wenn er sagt: „wenn die Beiden nicht wären, dann hätte ich keine Lust nach Zürich zurück zu gehen“, da siehts man recht, welch eine Kraft und Sonne von Ihnen ausströmt, und bedauerts mit Manchen, dß Sie so fern, dß nicht mehr Menschen etwas von Ihnen haben. Ich lebe mit meinen Kindern und wenigen Familien zurückgezogen, werde den treuherzigen strebsamen Franz noch recht vermissen wenn er Weihnachten heimkehrt zudem wir neulich erst, einen größten Verlust durch das Hinscheiden des alten Scherenberg hatten, den Sie ohne Zweifel damals schon bei uns sahen. Der Kreis wird sehr eng, und hätte ich nicht einen glücklichen Muth zum Leben, so würde mir grade dieser Winter einsam und dürftig erscheinen. Meine Mücke, des Hauses Zier und Sonnenschein will erst mit den Lerchen nach Haus kommen, mein Sohn der öfter von Leipzig herüberkam ist zu beschäftigt bei Geibel um sich vor Weihnachten loszumachen, da hause ich denn mit einer pommerschen Dienstmagd allein, und suche Abends menschendurstig Lewalds, Spielhagens, Scherers Rodenbergs und sonst Leute auf, die Sie nicht kennen. Man muß es immer nehmen und traktiren wies kommt und sich wach und munter halten für gute Stunden, zuhorchen was in der Welt passirt, lesen was Guts geschrieben wird und Niemand mit Klagen langweilen. So nehm ichs mir vor, falle aber leider oft aus der Rolle und will mich jetzt verabschieden, damit Sie nicht sagen, man sieht die Frau ist alt geworden, denn sie ist geschwätzig.

In herzlicher Erinnerung
L. Duncker.

  
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