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Exner an Keller - 16.03.1875

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Adolf Exner an Gottfried Keller - 16.03.1875


16 März 1875.

Lieber Freund,

mit Entsetzen sehe ich, daß Ihr Brief, der „zur Beantwortung“ auf meinem Tisch liegt, schon vergilbt ist, – aber der Teufel soll das Schreiben holen, wenn man doch die Leute sehen möchte. – Für die Novellen besten Dank; der Dietegen bleibt mir immer das Liebste von den Neuen, es ist am Meisten reine Poesie drin ohne Pfeffer. Die Pfaffengeschichte hat die Leute hier köstlich amüsirt, aber die Spitze merken sie, oder verstehen sie nicht, denn (Gottlob) bei uns weiß man nichts von der geläuterten Pfaffheit, es gibt hier nur Schafe u Böcke, aber keine Böcke im Schafspelz. Schreiben Sie doch ja Ihre „Zürchergeschichten“ fertig, das wird trefflich einschlagen, zumal das Fähnlein der 7 so gut wie unbekannt ist. Bei diesem aber würde ich in aller Bescheidenheit dazu rathen, die patriotisch-politischen Reden ect. im zweiten Theil ein Bischen zu kürzen, da für sie nicht überall Verständniß zu erwarten steht u sie jedenfalls die Rundung der Composition beeinträchtigen. – Marie u ich haben immer gehofft, Sie zu Ostern hier zu sehen; ist denn das ganz unmöglich? Oder im Mai? Später im Sommer möchte ich nicht dazu rathen, eher dann im Oktober.

Die Frischlinge sind gut behaust (sie trampeln mir über dem Kopf herum) und lassen sichs kreuzwohl sein. Auch bei mir unten steht es behaglich trotz Winterkälte, der ich durch einen dicken Teppich u einen noch dickeren Ofen die Zähne ausgerissen habe. Könnte ich nur mehr drin sitzen, aber die Universität zusammt dem künftigen Herrscher Östreichs, den ich mit Rechtsweisheit anfüllen muß, halten mich zu stark in Athem. Ein paar hübsche Bilder, die ich aus Italien mitgebracht habe, machen mir viel Freude, – die schöne Landschaft, die Sie mir mit dem Gehirn malen, hat auch schon ihren Platz – u so sieht man mit Fröhlichkeit dem Frühling entgegen, der nun doch endlich an die Thür klopft. Manchmal ertappen wir uns Alle auf einer kleinen Sehnsucht nach dem Zürichberg mit seiner weiten Luft. Ich möchte auch auf dem Bürkli wohnen u in die weite Welt hinausschmieren, wie Sie göttlichster der Staatsschreiber, ich komme wohl auch einmal da hinaufgestiegen u fasse Sie am Kragen, ehe Sie’s denken – wenn nur die ... Hofsklaverei nicht wäre, der ich für ein Jahr verfallen bin!

Bruder Karl ist in Wien und freut sich dessen noch täglich, obwohl es schon ein Jahr her ist; Seraphin schweigt u schmunzelt, wie immer, nur auf Umwegen hört man, daß er bei diversen Backfischen mit mathematischen Sermonen sich schön macht. – Grüßen Sie Dilthey, den Verschollenen, u was sonst in Zürich sich meiner erinnert. Und Sie, nehmen Sie Vernunft an u kommen Sie mal wieder!

Ihr
A Exner

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... Rechtsstand: 1. August 2012
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, …
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