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Keller an Hettner - 17.02.1851

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Gottfried Keller an Hermann Hettner - 17.02.1851


Berlin 17 Febr. 1851.

Lieber Freund!

Ein heimwärtsfahrender Student wird von mir benutzt, Ihnen nur einen flüchtigen Gruß zukommen zu lassen und die Stockung unseres Verkehres ein bischen zu heben.

Vor Allem aus muß ich Sie beglückwünschen zu Ihrer Berufung nach Jena, welche ich aus einem Ihrer Briefe an Bachmayr ersehen habe. Zu Ostern werden wir also ein Stück näher gerückt sein! Dann danke ich Ihnen herzlich für Ihren so sehr eleganten und galanten Brief in den Blättern f. l. Unterhaltung. Er hat mir große Freude gemacht, und ich kann nur im Allgemeinen sagen, daß ich Alles wahr u schön gefunden habe. Eine speziellere Beantwortung ward mir leider unmöglich, da ich den Aufsatz nicht zum zweiten Mal mit Muße lesen konnte, indem jene Nummer alsobald aus den Lesekabinetten verschwand und seither nicht erhältlich war. Aus dem gleichen Grunde habe ich auch ihren Aufsatz über Hebbel, von welchem ich gehört, bis jetzt noch gar nicht zu Gesicht gekommen~. Denn es ist in dieser Stadt der Intelligenz ungeheuer schwierig, etwas dergleichen zu erhalten, wenn man nicht am ersten Tage des Erscheinens glücklicher Weise dazu kommt.

Von Bachmayr weiß ich nichts. Ich habe ihn ein wenig im Verdachte, daß er sich nicht allzu sehr um Jemand kümmert, wenn man gerade nichts zu seiner dramatischen Carrière beitragen kann, welche er mit allzu großer Subjektivität verfolgt. Doch wünschte ich sein Stück recht bald mit Bedacht lesen zu können, da ich es nur einmal schnell vorlesen hörte. Indessen hat er mir Stellen aus andern Stücken rezitirt, auch habe ich ein Lustspiel gelesen, und Alles zeugte vom gleichen großen Talente. Dieses ist um so beachtenswerther, als es fast ausschließlich spezifisch dramatischen Charakters ist, und nicht etwa eine allgemeine halbpoetische Stimmung. Es thut mir nur leid, daß er wieder in das verfluchte Wien zurück mußte, wo die Leute gar nichts von der Welt wissen. Er ist noch so konfus, daß es nothwendig seinen Arbeiten die rechte Klarheit u Bewußtsein etwas rauben muß. Er glaubt blind an Gervinus u Gagern ist religiös, pantheistisch, demokratisch u konstitutionell alles durcheinander. Da er nun noch dazu ein gewaltsamer und geräuschvoller, fast aufdringlicher Mensch ist, so fürchte ich, daß dies seltsame Wesen ihm in seinen Angelegenheiten fast mehr schadet, als die Charakterlosigkeit und Dummheit der Theatertyrannen. Er hat in seinem Wien eben nicht Gelegenheit gehabt, sich zu kultiviren, da die Kerle dort alle selbst Quer- oder Dummköpfe sind; um so mehr bedaure ich, daß er wieder hinverschlagen wurde. Ich selbst kam indessen gut mit ihm aus, da ich den edlen Kern von diesen äußern Zufälligkeiten zu unterscheiden wußte, und habe ihn recht lieb gewonnen.

Bei Fanny Lewald bin ich erst vor etwa 10 Tagen gewesen; sie gefiel mir gut u war sehr freundlich, so daß ich nun öfter hingehen werde. Sie ist eine wunderliche Person u es klang mir gar seltsam, als sie erzählte, sie hätte Sie bei ihrem Freunde, dem Großherzog v. Weimar, angelegentlich empfohlen als Jenenser Unterthan.

Ich werde mich alsgemach hinter die hiesigen Theaterverhältnisse machen u sehen, ob ich mehr Glück finde, als Bachmayr Gerechtigkeit.

Von meinen Produkten schreibe ich Ihnen kein Wort mehr, als bis sie dieselben in den Händen haben.

Wenn Sie mir gelegentlich schreiben, so berichten Sie mir um Gotteswillen, was die Herren in Heidelberg nun für Gesichter machen und ob sie sich noch nicht schämen?

Ich habe im Herbste gelesen, daß Hagen nach Zürich verreis’t sei, weiß aber nicht, ob in Folge einer endlichen Berufung, da ich seit Jahr u Tag keine Nachrichten aus Zürich habe, weil ich auch nicht hinschrieb.

Wollen Sie mich wohl Ihrer verehrten Frau Professorin recht herzlich empfehlen, so wie Ihrem hoffentlich muntern Elisabethchen. Auch Hr. Moleschott bitte ich zu grüßen. Ich habe mit Vergnügen Feuerbachs Aufsatz über sein Buch gelesen, dagegen mit Aerger seine neuliche Ausweisung aus Leipzig, doch hinwieder mit Vergnügen, daß er dort seine Heidelberger Vorlesungen drucken läßt. – Die Berliner Theatermenschen werden bald toll vor Dummheit. Sie bringen eine erbärmlichere Novität nach der Andern auf die Bühne. Doch befinde ich mich noch immer vortrefflich bei Shakespeare und Weißbier! Ich wohne noch immer Mohrenstr. 6

u bin Ihr ergebenster
Gottfr. Keller.

  
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