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Hettner an Keller - 17.10.1850

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Hermann Hettner an Gottfried Keller - 17.10.1850


Heidelberg 17 Oktbr 50.

Mein lieber Keller,

Ich bin recht undankbar, daß ich Ihnen auf Ihre letzten beiden Briefe, mit denen Sie mir eine sehr große Freude gemacht haben, bisher noch nicht antwortete. In Gedanken habe ich mich inzwischen viel mit Ihnen beschäftigt. Binnen Kurzem wird Ihnen ein Heft der Blätter für lit. Unterhaltung in die Hände fallen, in denen ich mir den Scherz erlaubt habe unmittelbar an Ihren letzten Brief anknüpfend meine Gedanken über die altfranz. Tragödie in die Welt hinaus zu schreiben. Sie würden mich aufrichtig verbinden, wenn Sie mir namentlich über die letzte Partie dieses Aufsatzes, wo ich die Rückkehr unseres Dramas zum Klassizismus behandle, Ihre Meinung sagen wollten. Die Sache ist mir sehr wichtig. Im Allgemeinen bin ich von der Richtigkeit dieser Ansichten überzeugt; aber es kann sich leicht ereignet haben, daß diese Dinge im Eifer der Propaganda eine ausschließlichere u pedantischere Form angenommen haben, als ich ihnen ursprünglich zu geben beabsichtigte. Ich denke gar nicht daran, den Reichthum der Handlung u Scenerie im Mindesten zu beschränken, – wie darf da die Kritik gegen die Macht des Dichters irgendwie sich eine Einrede gestatten? –, ich dringe im Grunde genommen auf gar nichts Anderes, als worauf seit der Sturm u Drangperiode u der Romantik alle Dichter gedrungen haben, auf größere Ruhe u Einfachheit, auf die Reaktion gegen die Hast u Breite u Unruhe des Götz von Berlichingen.

Mein dramatisches Büchlein steckt mir noch immer im Kopf. Ich will es betiteln „Ideen über das moderne Drama.“ Es besteht aus 4 Abhandlungen 1) die historische Tragödie 2) das bürgerl. Trauerspiel. 3) die Komödie. 4) Shakespearomanie u Klassizismus. Ich gedenke nächstens an die Ausarbeitung zu gehen. Wenn Sie erlauben, schicke ich Ihnen wenigstens den ersten Abschnitt über die histor. Tragödie zu, damit Sie mir sagen können, ob sich das Ding der Veröffentlichung lohnt u ob Ton u Richtung richtig gehalten ist. Sehen Sie doch einmal nach, ob Sie in einem Berliner Antiquariat jenen Band von Rötschers Jahrbüchern finden, der die Abhandlung über Zufall u Nothwendigkeit enthält. Kaufen Sie ihn dann für mich u schicken Sie mir ihn augenblicklich per Fahrpost. Auch wenn Sie Eduard Gans’ kleine vermischte Schriften – worin viel Dramaturgisches – billig erhalten, so fügen Sie diese bei. Den Betrag sende ich Ihnen umgehend.

Wie steht es mit Ihrem Heinrich? Wie mit Ihrem Drama? Eilen Sie mir wenigstens ersteren zuzusenden. Prutz giebt von Neujahr an eine neue Zeitschrift heraus „deutsches Museum“. Es wäre mir lieb, wenn ich Sie dort in einer der ersten Nummern besprechen könnte.

Wahrscheinlich ist Dr. Bachmeyer mit einer Karte von mir bei Ihnen gewesen. Ich glaubte Ihnen sowohl wie Bachmeyer durch diese Empfehlung einen Gefallen zu thun. Hat er Ihnen sein Drama vorgelesen? Und was meinen Sie dazu? Ich wünschte sehr, wenn Sie mir ausführlich Ihr Urtheil schrieben. Ich glaube, Bachmeyer wird noch den Brief besitzen, in dem ich ausführlich meine ersten Eindrücke ausspreche u motivire. Es wäre mir interessant, wenn Sie Sich einmal diesen Brief von ihm geben ließen u mir sagten, in wie weit Sie damit übereinstimmen. Jedenfalls ist B. ein sehr bedeutendes Talent, das in jeder Weise die regste Unterstützung verdient. Gestern habe ich Julia von Hebbel (Theatermanuskript) gelesen. Es ist meine völligste Ueberzeugung, daß Hebbel nunmehr das Schicksal Lenaus u Hölderlins theilt oder nächstens sicher theilen wird.

Haben Sie inzwischen Bekanntschaften gemacht? Fanny Lewald kommt spätestens den 1 Novbr in Berlin an. Es würde mich freuen, wenn Sie sie recht bald aufsuchten. Jedenfalls ist sie eine sehr interessante Bekanntschaft.

Bei uns ist Alles beim Alten. Nächste Woche beginnt das Wintersemester, die Auspicien auf Studenten sind zweifelhaft. Die Gothaner werden um so hochmüthiger, je mehr sie faktisch an Terrain verlieren. Kapp ist aus dem Bade zurück. Sein August lebt diesen Winter auch wieder hier, mit ihm ein junger Architekt aus München, der recht talentvoll zu sein scheint. Johanna wird in München bleiben. Sonst durchaus nichts Neues.

Sie sehen, lieber Keller, dieser Brief ist sehr dürftig. Rechnen Sie den gedruckten in den Blättern für lit. Unterhaltung als seine natürliche Ergänzung. Sie leben in der großen Stadt, Sie haben so leicht Briefe schreiben. Nehmen Sie also meinerseits den guten Willen für die That u schreiben Sie mir recht bald wieder u recht ausführlich. Ich danke es Ihnen herzlich.

Nächsten Sonnabend sehe ich die Rachel in Karlsruh.

In Liebe Hettner.

Frau u Kind grüßen bestens.

  
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