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Keller an F.Duncker - 04.07.1857

Description:  Letter by Gottfried Keller
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deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Gottfried Keller an Franz Duncker - 04.07.1857


Zürich d. 4t. Juli 1857.

Lieber Herr Dunker!

Ich danke Ihnen für Ihren freundl. Brief; ich glaubte Sie wollten mich auf eine neue Weise mit Stillschweigen bemaßregeln, was gar nicht so ungeschickt ausgedacht wäre. Ihr Buch sollen Sie gewiß im Okt. versenden. Wenn Sie auch nächster Tage kein Manuskript erhalten, so soll der Druck doch bis Anfang August vor sich gehen. Ich will hier gleich der Geldfrage erwähnen. Ich habe Ihnen nun viele Monate Conventionalstrafe zu zahlen; allein ich sage Ihnen zum Voraus, daß ich Ihnen freiwillig kein baares Geld mehr zustelle, sondern wir wollen jeder behalten, was er hat, damit die Affaire einen gemüthlichen Anstrich behält. Ich muß jetzt nothwendig mit diesen Sachen aufräumen; denn ich werde vermuthlich nun doch noch ein Professor werden, da meine Landsleute mir kein anderes Brödchen wollen zukommen lassen, sondern ich soll durchaus etwas lesen, wenn auch nur ein par Stunden wöchentlich. Es schadet mir am Ende nichts, und ich kann nachher bessere Sachen schreiben, wenn ich dabei nicht mehr an’s Geld denken und immer die Bogen zählen muß. Doch behalten Sie die Professorsache noch für sich, denn ich muß noch diplomatisiren und den Preis hinauftreiben.

Ich bring’ es nicht über mich, wiederum Notizen von mir zu geben. Sehen Sie in der neuen Auflage oder Ergänzungsheften etc des Pierer’schen Lexikons nach, wohin ich solche Data seiner Zeit geben mußte. Sodann ist eine Art Bericht eines Anderen über meine Person im London Athenäum No 1535, März 28, 57, Seite 408 zu lesen, welche meines Wissens von F. Freiligrath ist, denn er hat mir wenigstens die betreffende Nummer zugeschickt. Ein englischer Rezensent hatte nämlich die Leute v. Seldw. angezeigt und gesagt er wisse nichts von meinen Antezedenzien, worauf dann Freiligrath jene löbliche Aufklärung einsandte. Ich weiß wohl, daß ich nun in eben dem Raume, den obige Auseinandersetzung einnimmt, die verlangte Notiz selbst hätte geben können; allein es graut mir, abermals den Tag meiner Geburt und dergleichen Dinge zu berufen, da ich bereits ein alter Mensch bin, der in der Neujahrsmitternacht am Fenster steht. Wenn ich noch einmal jung werde, was leichtlich passiren kann, so werde ich dann in alle solche verlangte Notizen schreiben: G. Keller, geb. 1858 od 59 etc zu Zürich, oder wo es dann ist.

Was die 40 Bogen unseres Buches betrifft, so bin ich selbst von der Erweiterung abgekommen, da ich froh bin, wenn die 40 aufgeschrieben sind. Ob sich eines der Novellchen für Ihr Sonntagsblatt eignet, müssen Sie selbst herausfinden; ich glaube indessen nicht, da das Ganze das strikte Gegentheil von einem soliden reellen Volksbuche ist.

Eine kleine Novelle werde ich mit Ihrer Erlaubniß dem Frankfurter Museum geben, dessen Verleger und Redakteur mich wiederholt darum plagen. Ich sagte ich könne jetzt keine extra Sache schreiben (der Verleger besuchte mich nämlich selbst) wenn sie eine Probe aus Ihrem Buche abdrucken wollten, so könnten sie es thun, was sie nun gern annahmen. Ich werde überhaupt von allen möglichen Feuilletons u dergl. um novell. Beiträge angegangen und man bietet mir jedes Honorar an, so daß ich jetzt Geld verdienen könnte wie Heu, wenn ich die Fabrik recht im Gange hätte. Doch ist es mir ein Beweis, daß meine Sachen viel gelesen werden; auch glaube ich, daß es sich solider und nachhaltiger ausnimmt, wenn man nicht alle Tage mit Beiträgen in allen Zeitschriften figurirt und auf den Lesetischen herumflattert à la Hakländer.

Ich bin sehr begierig auf Scherenbergs Eisgedicht, das wird jedenfalls, wenn alle Stränge reißen, sich gut für die Fleischer zum Einwickeln der Würste eignen bei die Hitze, oder der Verleger kann seinen Braten auf die Makulatur legen. Doch ungezogenen Scherz bei Seite, ich erwarte mir viel davon und freue mich recht darauf, falle es aus, wie es wolle.

Verzeihen Sie, daß ich Sie so lange aufhalte mit diesem ungeschäftlichen Geschwätz und seien Sie guter Dinge wegen der Galathee, welche in ihrer Weise ein selbständiges und wohlgeputztes Frauenzimmer sein wird.

Mit vielen Grüßen Ihr ergeb. G. Keller.

Sie müssen jedenfalls nach Zürich kommen, denn es ist jetzt ein ordentlicher Platz hier, jeden Sommer schießen da deutsche Verleger herum, wie die Bremsen, Vieweg hat wenigstens ½ Dutzend Autoren hier an der Schnur und kommt von Zeit zu Zeit, sie zu inspiziren. Die geringeren läßt er herrisch in den Gasthof kommen, die dickeren sucht er im Hause auf.

  
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