"Eßt Enzian und Pimpinell, steht auf, sterbt nicht so schnell." (Zitat: Adalbert Stifter)
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(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Bunte Steine: Erzählungen (Broschiert) Adalbert Stifter 1853 veröffentlichte in "Bunte Steine" sechs in den Jahren 1842 bis 1852 entstandene Erzählungen, darunter die berühmte "Bergkristall". Die Inhalte bzw. "Erzählungssteine" dieses Buches:
-Granit
-Kalkstein
-Turmalin
-Berkristal
-Katzensilber
-Bergmilch

Alle Erzählungen sprechen die klare Sprache Adalbert Stifters, nirgendwo schwingen Wesen und Dichtung so natürlich synchron und wunderschön wie bei ihm. In der Einleitung beschreibt Stifter, wie er als kleiner Junge immer wieder Steine mit nach Hause gebracht und mit ihnen gespielt hat. "Wenn ich Zeit hatte, legte ich meine Schätze in eine Reihe, betrachtete sie und hatte mein Vergnügen an ihnen. Besonders hatte die Verwunderung kein Ende, wenn es auf einem Steine so geheimnisvoll glänzte und leuchtete und äugelte, daß man es gar nicht ergründen konnte, woher denn das wohl käme."

In der ersten Geschichte "Granit" beginnt die Handlung in einer Weise, die einem so vertraut, so nahe, so heimatlich, so anheimelnd daherkommt: "Vor meinem väterlichen Geburtshause, dicht neben der Eingangstür in dasselbe, liegt ein großer achteckiger Stein von der Gestalt eines sehr in die Länge gezogenen Würfels. Seine Seitenflächen sind roh ausgehauen, seine obere Fläche aber ist von dem vielen Sitzen so fein und glatt geworden, als wäre sie mit der kunstreichsten Glasur überzogen." Er, sein Großvater, Vater, alle haben diesen Stein wohl zum Ruhen und Nachdenken, zum Erzählen benutzt, um die eigene Phantasie auf die Reise zu schicken. Mit dem Großvater wird er in dieser Geschichte in die umliegenden Wälder, Mythen und Geschichten "entführt". Der Großvater war wohl der Quell seiner eigenen Fabulierlust.

Aus dieser Geschichte stammt dies:

"Eßt Enzian und Pimpinell,
Steht auf, sterbt nicht so schnell."

Im Vorwort beschreibt Adalbert Stifter "Das Sanfte Gesetz", seine Lebensmaxime, die es mehr als wert ist, hier in Auszügen vermittelt zu werden, weil er sich hier wohl selbst und seine Hoffnungen beschreibt (heute ebenso gültig):

"So wie es in der äußeren Natur ist, so ist es auch in der inneren, in der des menschlichen Geschlechtes. Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Verstandesgemäßheit, Wirksamkeit in seinem Kreise, verbunden mit einem heiteren, gelassenen Streben halte ich für groß; mächtige Bewegungen des Gemütes, furchtbar einherrollenden Zorn, den entzündeten Geist, der nach Tätigkeit strebt, umreißt, ändert, zerstört und in der Erregung oft das eigene Leben hinwirft, halte ich für kleiner, da diese Dinge so gut nur Hervorbringungen einzelner und einseitiger Kräfte sind...Das sanfte Gesetz entwickelt Kräfte, die dem Bestehen der ganzen Menschheit hinwirken...Untergehenden Völkern verschwindet zuerst das Maß. Sie gehen nach einzelnem aus, wie werfen mit kurzem Blicke auf das Beschränkte und Unbedeutende, sie setzen das Bedingte über das Allgemeine; dann suchen sie Genuss und das Sinnliche, sie suchen Befriedigung ihres Hasses und Neides, in ihrer Kunst wird das Einseitige geschildert,...der Unterschied zwischen Gut und Böse verliert sich, der einzelne verachtet das Ganze und geht seiner Lust und seinem Verderben nach."
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 28. September 2009
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