Title:

Der Apotheker von Chamounix.

Home
Publication List
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

 

III

Mitternächtig wandelt Heinrich
Wacker auf dem schmalen Pfade
Und spazieret gravitätisch
Aus der guten Welt hinaus.

Wo die letzten Lebensbäume
Säuselnd an dem Wege stehen
Und die letzten Silberwölkchen
Durch die dunklen Wipfel streifen,

Sitzt die Nachtigall und flötet
Im bewegten Laub verborgen,
Hüpft von einem Ast zum andern,
Und sie singt mit süßem Tone:

Tio tio tio tiüüh!
Heinrich Heine will verduften,
In den Himmel will er ziehen,
Und ist doch die Welt so schön!

Zornig nimmt er einen Stein,
Wirft ihn nach des Baumes Krone;
Doch die Nachtigall erhob sich,
Welteinwärts entfloh sie lachend.

Und ein Stücklein Weges weiter
In dem letzten Wassertümpel,
D'rin das letzte Sternchen schimmert,
Sitzt ein lautvergnügter Frosch.

"Kroax, kroax," ruft er fröhlich,
"Zweimal ist im Jahr nicht Kirmes!
Besser ein lebend'ger Hund,
Wahrlich, als ein toter Löwe!

"Lieber ein lebend'ger Frosch,
Als ein totes Menschenherz!
Heinrich Heine will nicht sterben –
Kroax, kroax, lacht ihn aus!"

Heinrich trampelt in den Tümpel,
Um das Fröschlein platt zu treten;
Doch das tauchet gurgelnd unter
Und wirft Blasen in die Höhe,

Die noch leis des Armen spotten.
Jetzo ist er ganz am Rande,
Wo auf allerletztem Schöllchen
Nächtlich schwarz ein Heimchen zirpet:

"Zirpe, zirpe, zirpe, zirp!
Dichterherz und Grillenleben
Brechen, wenn sie ausgezirpet!
Heinrich Heine, wo hinaus?"

Heftig spuckt er nach dem Heimchen;
Doch es springt ihm auf den Scheitel;
Um es dorten zu vertreiben,
Schlägt er einen Purzelbaum

Wütend zweimal oder dreimal
In das leere Nichts hinaus;
Als er wieder aufgerichtet,
Glänzt' vor ihm die Himmelspforte.

 

IV

Ragend in der dunklen Nacht
Stand das kolossale Thor;
Seine ehrnen Flügel glänzten
Wie von fernem Abendrot.

Matt und kühl erglänzten sie,
Wie benetzt von Silbertau;
Dieses war der Niederschlag
All' der ungezählten Seelen,

Die hineinzudringen strebten
Und am kalten Erz zerflossen,
Seelen, die in ihrem Leben –
Weder Meister noch Gesellen –

Nichts gekonnt und nichts ersonnen
Und hier in krystall'nen Tropfen,
Schuldlos, wie ein Frühlingsregen,
Und bewußtlos niederflossen.

Doch als unser Wand'rer kecklich
Mit dem Buche Romancero
Dreimal an das Thor geschlagen,
That es lautlos weit sich auf.

Er betrat die Dämmerhalle
Sterblicher Unsterblichkeit,
Wo die Luft des Selbstbewußtseins
Bittersüß den Geist beseligt.

Denn was einer einst geschaffen,
Schwindet hier in nichts zusammen
Gegen das, was nun er einsieht
Und was dort er unterlassen.

Schweigsam und beinahe mürrisch
Geh'n die Meister auf und nieder;
Jeder spinnet in Gedanken
Eifrig seine Welt nun fertig.

Wie in ird'schen Nebelnächten
Da und dort Laternenträger,
Gingen die berühmten Herren
Jeder still im eig'nen Scheine.

Doch als Heinrich nun erschien,
Rochen sie sein rotes Blut
Und den Flachs von seiner Leinwand
Und den Lorbeer seines Hauptes.

Gleich am Eingang wacht' ein Schatten
Witternd auf aus stillem Brüten,
Und es war der edle Platen,
Tönend hub er an zu singen:

"Lorbeer wächst auf meinem Grabe,
Und das Grab liegt an dem Meere,
Das da blaut so tief und himmlisch
Und wie Gottes Seele leuchtet!

"Ehr- und Freiheitsliebe trank ich
Aus demselben klaren Brunnen;
Denn mein Herz vertrug nicht beides:
Sänger und ein Hund zu sein!

"Manch ein rein und silberklingend
Lied gelang mir in den Tagen,
Und ich walle leicht und glänzend
Jenes deutsche Volk entlang!"

Horchend stand Herr Heinrich Heine,
Stutzend schaut' er den Poeten,
Und er rief im hellen Aerger:
"Also rühmst du dich noch immer?"

Doch mit transparenten Händen
Winkte jener ihm zur Ruhe
Und skandierte traurig weiter:
"Schmäher! wohl erkenn' ich dich!

"Aber laß, o Thor, dir sagen,
Nichts auf Erden, noch im Himmel
Wird durch Worte je erzwungen,
Was er ist, das gilt ein jeder!

"Gilt ein jeder doch am Ende
Und kein Jota mehr noch minder!
Keine Witze und kein Selbstlob
Können einen Mann erhöhen

"Oder fremden Wert vermindern,
Und kein Eifern hilft, kein Schmähen,
Auch kein Rühmen und kein Lügen:
Was er ist, das gilt ein jeder!

"Hier in dieser kühlen Luft
Wird nicht Narrenwerk getrieben,
Jeder weiß, woran er ist,
Und die Willkür hat ein Ende!"

Diese himmlische Moral,
Ach, so einfach und begreiflich,
Nicht verstand sie Heinrich Heine,
Denn er war noch nicht gestorben!

Schnöd erwidert er dem Schatten:
"Das verlangt' ich nicht zu hören!
Sag' mir lieber, wo ist Er,
Unser aller Herr und Meister.

"Der die Welt samt allen Meistern
Hat erfunden und geschaffen?
Unwohl bin ich und ich möchte
Drum zum rechten Doktor gehen!"

Doch mit duft'gen Geisterhänden
Winkt der Junker ihm von hinnen:
Sich in einen Nebel hüllend,
Schüttelt er das Haupt und schwieg.

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/K/Keller
Poesie/Startseite/gedichte_d/gedichte_der

External Links to this site are permitted without prior consent.

Publication List:
Abend auf Golgatha
Abendlied an die Natur
Abendlied
Abendregen
Alles oder nichts
Am Brunnen
Am Himmelfahrtstage 1846
...
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum