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Der Apotheker von Chamounix.

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IX

Viele Tage lag der Dichter
Witzig lächelnd noch am Sterben;
Veilchen blühten und verwelkten,
Endlich aber brach sein Herz.

Und er starb unwiderruflich.
Seine Sterne blieben stehen,
Wie ein Uhrwerk stille steht;
Doch ihr Glanz wird rosig flimmern,

Bis all' uns're Stern' erbleichen
Und in and'rer Tage Sonnen
Eine Sage werden sein;
Denn vergänglich sind wir Aermsten!

Unterdessen aber zogen
Schwarze Rößlein seine Leiche
Durchs Gewühl der großen Babel
In die stille Totenstadt.

Auf den Höhen ist gelagert
Dort ein Meer von Marmorblöcken,
Von Cypressen, Sykomoren,
Trauerweiden überwachsen

Und von Rosen, die das Jahr durch
Einen Wald von Dornen bilden
Und nur wenig Sommerwochen
Blumen tragen und erröten.

Welch' ein Heervolk liegt hier oben!
Leicht und welk wie Waldesblätter,
Die der Wind des rauhen Herbstes
Auf den Boden hat geblasen!

Wohl bedarf's der Marmorlasten,
Solch' ein Heervolk zu beschweren;
Denn ein Lufthauch jagte sonst
All' das Flatterzeug von dannen!

Angeschürft wird das Planetchen
Nun um eines Menschen Länge
Und ein Bettlein aufgelockert
In der duftig weichen Erde.

Ja, die alte braune Mutter
Duftet freundlich in die Nase,
Und sie frißt die toten Kinder
Selber wieder gleich den Katzen.

Auch der Dichter, kaum versenket,
Wird von ihr mit Hast umarmt,
Und wie Goethe einst auf weißem
Nacken hat zu Rom skandiert,

So skandiert sie dichterlich
Jetzt mit Schollen auf dem Sarge;
Auch ein Schädel poltert hurtig
Auf dem Deckel zwei Trochä'n.

Aber endlich wird es still,
Da der Hügel ist errichtet,
Und der Gute liegt beruhigt;
Unsichtbar ist er geworden

Allen, die noch Salz genießen.
Gleich von hinnen fährt der Fuhrmann
Mit dem dunklen Totenwagen
Und den schwarzumhüllten Gäulen.

Rittlings hockt er auf dem einen,
Läßt die Peitsche lustig knallen,
Fährt im Trab den Berg hinunter,
Daß die schwarzen Tücher fliegen.

Rötlich blühet seine Nase,
Lebensfroh und luftgebadet;
An der ersten Schenke hält er,
Einen feur'gen Schluck zu nehmen.

Freunde kommen und er schwingt
Seinen mächt'gen, florbehang'nen
Trauerdreispitz voller Freuden;
Schnell das zweite Gläschen nimmt er.

Eine Flasche wird gestochen
Und ein Dutzend Schelmenliedchen
An den Schwänzen eingefangen,
Am Refrain, den alle kennen.

Und sie trinken und sie singen,
Bis die Sonne niedergehet;
Ihre braunen Pfeifchen glühen
Heiß gleich ihren braunen Aeuglein.

Aber oben auf dem Berge
Rötet sich das weiße Steinmeer,
Und die Wipfel rauschen leise
Ueber einem neuen Grabe.

 

X

Unabsehbar in der Runde
Schwimmt Paris im Abendgolde,
Das den Rauch und Dunst durchflimmert
Draus die hundert Türme ragen.

Da und dort erblinkt die Seine,
Diese Magd, die ewig wandert,
Aber nie den Herr'n entrinnet,
Die ihr an der Schürze hangen.

Dort erstrecket Malepartus
Grauverschleiert seine Zinnen,
Wo der große Rattenfänger
Seine pfiff'ge Pfeife bläst.

Seht die Künste, die er treibt!
Wie ein Storch auf einem Beine
Steht er, mit dem Fuß des andern
Reibt behaglich er die Wade.

Jetzo dreht er das Gesicht
Ins Genick und bläs't nach hinten,
Gräulich anzuseh'n, nach vorne
Nickt er mit dem Hinterkopfe.

Wirft das Flötchen in die Lüfte,
Fängt es auf mit seiner Nase;
Von der Spitze bis zur Wurzel
Muß es auf und nieder tanzen.

Wetter! welch' vertrackte Nase!
An ihr hängt die ganze Welt,
Wie der tote Has' am Nagel.
Steh'n wir wirklich auf zwei Augen?

Wieder liegt die Pfeif' am Munde;
Doch er bläs't nicht – Todesstille
Herrschet ringsher, seine Augen
Glüh'n wie die der Klapperschlange.

Lässig spielt er mit den Fingern;
Doch es tönt nicht, stechend blickt er.
Und mit aufgeriss'nem Munde
Gafft Europa wie ein Maulaff!

Plötzlich gellt ein schriller Triller,
Gleich darauf wird's wieder stille,
Und Europas Millionen
Flüstern: hört, es hat gepfiffen!

Wenig ist's, womit er wirket,
Fast zum Lachen schlicht und einfach,
Denn er kennet seine Leute
Und die Dummheit schlechten Volkes!

Und die seiner Pfeife lauschen,
Die ihm in die Augen starren,
Alle wird der Teufel holen,
Wird sie holen und mit Recht!

Kinder, Kinder sind sie alle,
Aber leider ohne Unschuld!
Und mit Recht erwürgt er alle,
Die nach seiner Pfeife tanzen!

Auf zwei Augen steht die Welt!
Doch ich habe stets vernommen,
Daß die Mähre schlechter sei,
Als der Reiter, der sie reitet. –

Aber hinter Malepartus,
Weiterhin im fernen Süden
Raget in dem roten Dunste
Glühend eine runde Kuppel.

Pantheon hat sie geheißen
In den Tagen, die verschwunden;
Mächtig ragt sie gleich der leeren
Hirnschal' eines toten Riesen.

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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