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Der Sturm erwacht, es dunkelt allerenden, Jetzt eben, hinter jenen
Wolkenwänden, Dort muß die Sonne untergeh'n; Dort ist es abendklar und
goldenhelle Und sind nun Lilie, Rosenhag und Quelle In einem
seligroten Glanz zu seh'n.
Hier aber ist ein kaltes Weh'n und Brausen In dunkler Luft die hohen
Wälder sausen, Die Bäche toben durchs Gestein; Des Windes Peitsche fühlt
die Haide streichen, Ascetisch beugen sich die ernsten Eichen, Die Nacht
wankt finster in das Land herein.
Ich sehe kaum den Grund zu meinen Füßen, Doch hör' ich rings die
Regenströme gießen, Es weint das schwarz verhüllte Land; In meinem
Herzen hallt die Klage wieder, Und es ergreift mich, wirft mich jäh
darnieder, Und meine Stirne preßt sich in den Sand.
O reiner Schmerz, der von den Höh'n gewittert, Du heil'ges Weh, das
durch die Tiefen zittert, Ihr schließt auch mir die Augen auf! Ihr habt
zu mir das Zauberwort gesprochen Und meinen Hochmut wie ein Rohr
gebrochen, Und ungehemmt fließt meiner Thränen Lauf!
Du süßes Leid hast ganz mich überwunden! Welch' dunkle Lust, die ich
noch nie empfunden, Ist mit der Demut angefacht! Wie reich bist, Mutter
Erde! du zu nennen, Ich glaubte deine Herrlichkeit zu kennen, Nun schau'
ich erst in deiner Tiefe Schacht!
Und leise schallen hör' ich ferne Tritte, Es naht sich mir mit leicht
beschwingtem Schritte Durch die geheim erhellte Nacht; Weiß, wie
entstiegen einem Marmorgrabe, So wandelt her ein schöner schlanker
Knabe, Einsamer Bergmann in dem lichten Schacht.
Willkommen, Tod! Dir will ich mich vertrauen, Laß mich in deine treuen
Augen schauen Zum ersten Male fest und klar! Wie wenn man einen neuen
Freund gefunden, Kaum noch von der Verlassenheit umwunden, So wird mein
Herz der Qual und Sorge bar.
Tief schau' ich dir ins Aug', das sternenklare, Wie stehn dir gut die
schwarzgelockten Haare, Wie sanft ist deine kühle Hand! O lege sie in
meine warmen Hände, Dein heil'ges Antlitz zu mir nieder wende! Wohl mir,
daß ich dies traute Wissen fand!
Ob mir auch noch beglückte Stunden schlagen, Ich will dich heimlich tief
im Herzen tragen, Und wo mich einst dein Ruf ereilt: Im Blütenfeld, im
festlich bunten Saale, Auf dürft'gem Bett, im schlachterfüllten
Thale, Ich folge dir getrost und unverweilt. –
Die Nacht vergeht, die grauen Wolken fliegen. Der Tag erwacht und seine
Strahlen siegen, Im Osten steigt der Sonnenschild empor; Es blitzt sein
Schein auf meinen alten Wegen, Ein andrer aber tret' ich ihm
entgegen, Der ich die Furcht des Todes still verlor.
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