I
Wie poltert es! – Abscheuliches Geroll Von Schutt und Erde, modernden
Gebeinen! Ich kann nicht lachen und kann auch nicht weinen, Doch nimmt's
mich wunder, wie das enden soll!
Nun wird es still. – Sie trollen sich nach Haus Und lassen mich hier
sieben Fuß tief liegen: Nun, Phantasie! laß deine Adler fliegen, Hier
schwingen sie wohl nimmer mich hinaus!
Das ist jetzt eine wunderliche Zeit! Im dunkeln Grab kein Regen und kein
Rühren, Indes der Geist als Holzwurm mag spazieren Im Tannenholz – ist
das die Ewigkeit?
Die Menschen sind ein lügnerisch Geschlecht Und haben in das Grab
hineingelogen, Den ernsten Moder schnöd' mit mir betrogen – Weh, daß die
Lüge an sich selbst sich rächt!
Die Lügner gehn von hinnen ungestraft, Ach, aber ich, die Lüge, muß
bekleiben, Daß sich der Tod ergrimmt an mir kann reiben, In Tropfen
trinkend meines Lebens Kraft!
II
Da lieg' ich denn, ohnmächtiger Geselle Ins Loch geworfen, wie ein
Straßenheld, Ein lärmender, von der Empörung Welle; Ein blinder Maulwurf
im zerwühlten Feld!
Wohlan, ich will, was kommen soll, erwarten, Es ist am End' ein
friedlich Wohnen hier; Ich fühle nicht die Glieder, die erstarrten, Doch
heiter glimmt die stille Seele mir!
Hätt' ich nun einen ewigen Gedanken, An dem man endlos sich erproben
mag, So möcht' ich liegen in den engen Schranken, Behaglich sinnend bis
zum jüngsten Tag.
Vielleicht, wer weiß, wüchs' er zu solcher Größe, Daß er, in Kraft sich
wandelnd, ein Vulkan, Im Flammenausbruch dieses Grab
erschlösse, Vorleuchtend mir auf neuer Lebensbahn!
Wie wundersam, wenn über meinem Haupte Der Abendtau die matten Blumen
kühlt, Ob wohl lustwandelnd dann der Pfarrherr glaubte, Daß unter ihm
ein Wetterleuchten spielt?
Daß glänzend in des eig'nen Lichtes Strahlen Hier unten eine
Menschenseele denkt? Vielleicht sind dieses der Verdammung
Qualen: Geheim zu leuchten, ewiglich versenkt!
III
Ha! was ist das? die Sehnen zucken wieder, Wie Frühlingsbronn quillt neu
erweckt das Blut! Es dehnen sich die aufgetauten Glieder, Und in der
Brust schwillt junger Lebensmut!
Nun ist's gescheh'n, nun bricht herein der Jammer! Die Späne knirschen
unter dem Genick, Ich messe tastend meine Totenkammer Und messe aus mein
grausiges Geschick!
Halt ein, o Wahnsinn! denn noch bin ich Meister Und bleib' es bis zum
letzten Odemzug! So scharet euch, ihr armen Lebensgeister, Treu um das
Banner, das ich ehrlich trug!
So öffnet euch, krampfhaft geballte Fäuste, Und faltet euch ergeben auf
der Brust! Wenn zehnfach mir die Qual das Herz umkreis'te, Fest will ich
bleiben, meiner selbst bewußt!
Von Erdenduldern ein verlorner Posten, Will ich hier streiten an der
Hölle Thor; Den herbsten Kelch des Leidens will ich kosten, Halt mir das
Glas, o Seelentrost Humor!
IV
Läg' ich, wo es Hyänen gibt, im Sand, Wie wollt' ich hoffnungsvoll die
Nacht erharren, Bis hungrig eine käme hergerannt, Mich heulend aus der
lockern Gruft zu scharren!
Wie wollt' ich freudig mit dem gier'gen Tier Dann um mein Leben,
unermüdlich, ringen! Im Sande balgt' ich mich herum mit ihr, Und weiß
gewiß, ich würde sie bezwingen.
Und auf den Rücken schwäng' die Bestie ich Und spräng' im Leichentuch,
wie neugeboren, Und singend heimwärts und schlüg' wonniglich Dem Arzt
den Leichengräber um die Ohren!
|